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Willkommen auf den Seiten der

Katholischen Pfarreiengemeinschaft Kirchberg/Hunsrück

Aufbrechen …

Außer einem Wanderstab sollen sie nichts mitnehmen, sagt der Herr. Kein Stück Brot für den Hunger. Keine Vorratstasche für ungewisse Tage. Keinen Pfennig Geld. Noch nicht mal ein Hemd zum Wechseln. Für den staubigen Weg keine festen Schuhe oder Wanderstiefel. Einfache Sandalen nur. (Markusevangelium 6, 7-13)

Es ist schon verwunderlich, dass die 12 Jünger sich darauf einlassen und sich auf den auch noch unbekannten Weg machen. Es fällt auf, dass es keine Rückfragen gibt an Jesus. Etwa: Wie soll das denn gehen? Wie sollen wir das denn machen? Wie sollen wir denn mit dem Wenigen klarkommen?

Sie gehen einfach und tun, was Jesus ihnen aufgetragen hat. Machen sich auf, um zu tun, was sie noch nie getan hatten. Sie gehen mit der Sendung, mit dem Auftrag Jesu. Er hat sie gerufen und ausgesandt, so sagt uns der Evangelist Markus. Sendung und Vollmacht, das war ihre Ausrüstung für den unbekannten Weg. Mehr brauchten sie nicht. In Jesu Vollmacht sollen sie tun, was sie noch nie getan haben.

Andreas Knapp, Priester und Dichter,

hat das mit heutigen Worten in einem geistlichen Gedicht so ausgedrückt:

 
Werdet Vorübergehende

Schnitz dir einen Wanderstab

aber zimmere dir keinen Dachbalken


Wozu eine Vorratstasche

Liebe empfängt man nicht aus Konserven

Hoffe auf frisches Brot unterwegs


Du darfst Sandalen tragen

aber lerne auch barfuß zu gehen

Zu viel Geld dabei beunruhigt

Sonne und Regen gibt es gratis


Nimm ein zweites Hemd mit

für das Fest und für das Grab

          (Andreas Knapp)

 

„werdet vorübergehende“ hat Andreas Knapp sein Gedicht überschrieben. Das bedeutet auch: Geht im Wissen, dass nach euch andere kommen, setzt euch nicht fest, bleibt in Bewegung, schleppt nicht Unnötiges mit euch, das euch bindet. 

Vielleicht schleppen wir noch zu viel mit uns herum, halten fest an Dingen, die immer so waren und die doch längst tot sind. Vielleicht haben wir die Grundausrüstung aus dem Blick verloren. Die Sendung und den Auftrag Jesu, das Evangelium durch Wort und Tat zu verkünden, Menschen mit Ihm bekannt zu machen. Nicht krampfhaft und verbissen, sondern in Freiheit und Ungebundenheit.

Sendung und Vollmacht, das war die Ausrüstung der zwölf Jünger im heutigen Evangelium. Auch wenn es nicht aufgeschrieben steht, im Stillen werden sie sich gefragt haben: Wie soll das gehen? Wie soll das zu schaffen sein? Nur, helfen diese Fragen wirklich weiter?

„Nicht die Zukunft erraten ist wichtig, sondern tun, was die Gegenwart erfordert.“ Diese Worte von Kardinal Henri de Lubac (+1991) sind vor langer Zeit gesprochen worden im Zusammenhang mit der Frage, wie es weitergehen wird mit der Kirche. Seine Worte haben noch immer Gültigkeit und können uns hilfreich sein auch im Blick auf unsere Pfarreiengemeinschaft, auf unser Bistum, auf die ganze Kirche. 

Nicht allein nur besorgt wahrnehmen und fragen, sondern den nächsten Schritt tun und sagen: „Wir gehen es an. Dann wird es gehen! Es wird weitergehen.“

Der Herr weiß wohin Er heute mit uns und seiner Kirche wandern will.

Er weiß, wie dieses neue Land aussieht, zu dem er mit der Menschheit unterwegs ist. In dieser Hoffnung, mit diesem Glauben und mit Vertrauen sollen wir das unsere tun, denn der Herr wandert mit uns!

Die Kirche ist in ihrer langen Geschichte schon oft durch mühsame und dunkle Zeiten, durch Krisen gegangen. Aber sie ist nicht untergegangen. Weder Könige und Fürsten, noch Kardinäle oder Bischöfe haben es geschafft, sie kleinzukriegen und zu zerstören. Zum einen, weil der Herr nicht den Untergang will, sondern Zukunft; zum anderen, weil die Menschen zusammenhalten haben und zusammengeblieben sind.

Wir erleben eine tiefe Krise der Kirche, die Wahrheit des Evangeliums ist verdunkelt durch Skandale und Verbrechen, überlagert das viele Gute, das es auch noch gibt. Die Zahlen der Kirchenaustritte mehren sich, auch in unserer Pfarreiengemeinschaft. Die Gründe sind unterschiedlich und verständlich mit Blick auf die Skandale in der Institution Kirche. Austritt aus der Institution Kirche betrifft aber auch die Pfarrgemeinde, die konkrete Kirche vor Ort, die Gemeinschaft, die dadurch kleiner wird, droht, sich immer mehr aufzulösen. Wollen wir das, ändert das etwas?

Sollten wir nicht vielmehr dem Auftrag Jesu aus dem Markusevangelium (Markus 6, 7-13) folgen und Jesus trauen und vertrauen?       

Denn es ist seine Kirche und es ist sein allerhöchstes Anliegen, dass es weitergeht mit der Kirche. Dafür wird Er schon sorgen. Er hat es immer getan. Darauf können wir uns verlassen.

Einen gesegneten Sommer,

Gesundheit und erholsame Tage, wo auch immer,

wünscht Ihnen

 

Ihr Pastor Ludwig Krag

 

 

Nachdenkliches zur Diskussion:

„Die Kirche ist an einem toten Punkt“,

so schrieb Kardinal Reinhard Marx in seinem Brief, mit dem er Papst Franziskus im Juni seinen Rücktritt als Erzbischof von München und Freising angeboten hat. Mich hat dieses Rücktrittsangebot überrascht und auch geschockt. Gut, dass Papst Franziskus dem Angebot von Kardinal Marx nicht entsprochen hat.

Kardinal Marx hat ganz sicher gerungen um diesen Schritt und hat ihn geistlich und im Gebet erwogen. Das wird im Schreiben deutlich, das gleichzeitig die Wahrnehmung und den klaren Blick des Kardinals auf die Kirche zeigt.

„Die Kirche ist an einem toten Punkt“, das klingt zunächst sehr final, sehr endlich. Gleichzeitig drückt Kardinal Marx seine österliche Hoffnung, seinen Glauben daran aus, dass aus dem „toten Punkt“ neues werden kann, Auferstehung sozusagen.

„Die Kirche ist an einem toten Punkt“, eine Wahrnehmung, die ganz viele von und in der Kirche haben. Mich beschäftigt diese Aussage im Blick auf die Kirche insgesamt, aber auch im Blick auf unsere Pfarreien, die konkret Kirche vor Ort sind. Ich kann und will diese Aussage nicht als Schlussaussage und -feststellung lesen, vielmehr als ernüchternde Feststellung mit dem Potential zum Neubeginn. Ernüchternd ist ja schon länger zu sehen, dass wir als Kirche nicht auf Expansionskurs sind, dass die Kirchen leer geworden sind, auch schon vor Corona. Wir sind in der „Zeit der leeren Kirchen“, um ein lesenswertes Buch des tschechischen Priesters Tomáš Halík zu zitieren, mit dem Untertitel: „Von der Krise zur Vertiefung des Glaubens“.

Die Feststellung des „toten Punktes“ ernüchtert. Sie muss und darf nicht erstarren lassen, sondern stattdessen wachmachendes Erschrecken und dann Bewegung auslösen. Vor Ort das zu tun, was getan werden kann, vor Ort von „der Krise zur Vertiefung des Glaubens“ zu kommen und zur Auferstehung. „Über die Auferstehung können wir mit Sicherheit nur das sagen, was sie nicht ist. Die Auferstehung Christi ist keine Wiederbelebung; nicht die Belebung einer Leiche, ihre Rückkehr in diese Welt, ein gewisses effektvolles österliches Happy End. Die Auferstehung ist keine Rückkehr zu etwas, das war, sondern sie ist eine radikale Verwandlung.“ So schreibt Tomáš Halík. Und weiter mit Blick auf die Kirche: „Ich bin davon überzeugt, dass nur eine Kirche, die stirbt und von den Toten aufersteht, tatsächlich eine christliche Kirche ist.“… „Viele lokale Kirchen, die einmal sehr lebendig waren, sind untergegangen. Viele Gestalten der Kirche sterben im Verlauf der Geschichte.

Ich bin davon überzeugt, dass wir etwas Ähnliches auch heute erleben. Ich kann mich von dem Gedanken nicht befreien, dass die leeren und geschlossenen Kirchen (an diesem Osterfest) ein prophetisches Warnzeichen darstellen: So könnte es bald mit der Kirche enden, falls sie nicht eine tiefe Verwandlung, einen Tod und eine Auferstehung durchläuft, falls sie nicht den Mut haben wird, viele Dinge sterben zu lassen, damit das Neue, Erneuerte zum Leben auferstehen kann.“ Die Bemühungen der Kirche (und vieler Bistümer), den schon lange anhaltenden Prozess des Wenigerwerdens der Gläubigen abzubremsen, durch Zusammenlegen von Pfarrgemeinden, Import von Priestern aus dem Ausland, etc., vergleicht Tomáš Halík mit dem „Hin- und Herschieben der Liegestühle auf der Titanic“. „Wenn ich die gegenwärtige Gestalt der Kirche mit einem sinkenden Schiff verglichen habe, dann ist es notwendig zu sagen, dass dieses Schiff trotz allem weiterhin riesige Schätze mit sich führt, die gerettet und umgeladen werden müssen – nicht in eine andere Kirche, sondern in eine andere Gestalt der Kirche.“ (Tomáš Halík: Die Zeit der leeren Kirchen. Von der Krise zur Vertiefung des Glaubens. Herder-Verlag Freiburg/Breisgau 2021, S.96-99)

„Die Kirche ist an einem toten Punkt“, festgefahren auch in Diskussion und Streit um die sogenannten „heißen Eisen“ Aufhebung des Zölibats, Priesterweihe für Frauen, usw. Einer Vertiefung des Glaubens wird das m. E. nicht dienen und wird diese Vertiefung auch nicht bewirken. Es werden Erwartungen geweckt, die eher Enttäuschungen bringen werden.

„Die Kirche ist an einem toten Punkt.“ Was machen wir mit dieser Feststellung vor Ort, da wo wir leben und Kirche sind, hier, im Jetzt und heute? Wie kommen wir von der Krise zur Vertiefung des Glaubens? Und dann von dort aus zu Auferstehung und Leben? Gibt es Formate und Ideen, die das unterstützen könnten, und Menschen, die das gemeinsam entwickeln wollen?

Erneuerung von Strukturen wird gleichermaßen notwendig und erforderlich sein im Zuge der Erneuerung der Kirche, aber „ihre Priorität muss die Erneuerung des Glaubens sein und eine Erneuerung des Begreifens, Durchdenkens und der Ausdrucksformen des Glaubens beinhalten – der Ausdrucksform der Predigt, der Theologie, der Spiritualität, der Kunst und der gesellschaftlichen Praxis der Gläubigen.“

So Tomáš Halík am angegebenen Ort. Seine Gedanken, die ich uneingeschränkt teile, gebe ich Ihnen an die Hand zum Weiterdenken und Diskutieren, auch im Hinblick auf die anstehenden Gremienwahlen in unseren Gemeinden.

      Ihr Pastor Ludwig Krag