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Willkommen auf den Seiten der

Katholischen Pfarreiengemeinschaft Kirchberg/Hunsrück

Ein farbenfrohes, leuchtendes Gemälde von Maya Armbruster ziert unseren Pfarrbrief zu Weihnachten 2021. „Wo Gott uns anstrahlt, bleibt das Dunkel hinter uns“, steht darunter.

Liebe Schwestern und Brüder,

es sind warme, wohltuende und ansprechende Farben, die Maya Armbruster gewählt hat und uns schenkt. Im Zentrum leuchtendes Gelbgold, das alles erhellt, anstrahlt und wärmt. Den Raum und die Menschen, Könige an der nicht dargestellten und sichtbaren Krippe. „Wo Gott uns anstrahlt, bleibt das Dunkel hinter uns“, das ist die Botschaft von Weihnachten auch in diesem Jahr. Vielleicht ganz besonders in dieser Zeitstunde und für das neue Jahr. In einer Zeit, in der das Dunkel sich mit großer Macht in den Vordergrund drängt, uns den Blick verstellt für das Helle, das es doch auch noch gibt. Dabei sagt uns die Erfahrung: das Licht einer noch so kleinen Kerze hat die Kraft das Dunkel aufzusprengen. Von Konfuzius (China 551-479 v. Chr.) stammt das Zitat: „Es ist besser, ein kleines Licht zu entzünden, als über die Dunkelheit zu klagen.“

Gott klagt nicht über die Dunkelheit, in der seine Menschen und seine Welt gefallen sind. Gott gibt sich selbst hinein, um die Dunkelheit aufzubrechen mit seinem Licht und mit seiner Gegenwart. Das ist ein schier unfassbares, ein so unglaubliches Ereignis und doch wahr. Unsere Erwartungen und Vorstellungen sind dabei eher ausgerichtet auf etwas Großes, Gewaltiges und Überwältigendes. So wie beim Propheten Elija, der das Aufscheinen Gottes im Sturm, im Feuer und im Erdbeben zu erkennen hoffte. In all dem war Gott nicht, sondern im Kleinen, im Zarten, im „Säuseln des Windes“ (1 Kön 19,11-12).

Dafür will Gott uns hellhörig und hellsichtig machen. Er überfällt uns nicht mit seiner Größe und Macht, das würden wir nicht ertragen. Gott kommt behutsam auf uns zu. Nicht im Übergroßen, sondern im Kleinen bringt er Licht und Wärme in die Dunkelheit. Im Lächeln, das ein Mensch uns schenkt. Im guten Wort, das uns jemand sagt und damit Trost gibt und Mut macht. Im handgeschriebenen Weihnachtsgruß, für den jemand sich Zeit genommen hat. Ja auch im Tütchen Plätzchen, das auf der Treppe steht oder an der Türklinke hängt. Und, und, und …

Kleine Lichter in der Dunkelheit, die hinweisen auf das wärmende, helle Licht Gottes, das uns anstrahlt und die Dunkelheit besiegt.

Das Gemälde auf unserem Weihnachtspfarrbrief 2021 möchte uns helfen, den Blick zu wechseln, zu öffnen für das Helle, es bewusst wahrzunehmen und nicht allein das Dunkel über uns Macht gewinnen zu lassen.

Die schönen, vielfältigen Krippen in unseren Häusern und Familien, in unseren Kirchen, tun es gleichsam.

Sie sind nicht bloß Dekoration, die zum weihnachtlichen Ambiente gehören. Sie sind viel mehr. Nehmen Sie sich Zeit an der Krippe zu verweilen, schweigend und still. Lassen Sie das Licht aus der Krippe in Ihr Herz dringen und es erfüllen. Zu Hause oder in der Kirche, zusammen und mit den Kindern und Enkelkindern.

Die Krippen sprechen still zu uns und erzählen von Gott, der nicht über die Dunkelheit klagt, sondern sich in Jesus von Nazareth selbst hineinbegibt um sie aufzubrechen. Das feiern wir an Weihnachten. Wir feiern es froh seit tausenden von Jahren. Es hat Menschen Halt und Trost gegeben in den Schützengräben der Weltkriege, in zerbombten Städten und Dörfern, in Krankheit und Katastrophen, in abgrundtiefer Dunkelheit durch Hass und Gewalt. Immer wieder hatte Weihnachten diese tröstende, ermutigende, frohmachende Kraft und hat sie immer noch.

Deshalb wünschen und sagen wir uns gegenseitig „Frohe Weihnachten“ und nicht bloß „Frohes Fest“ oder „Frohe Feiertage“. Wir haben Grund, froh zu sein über Weihnachten, über Gott im Kind von Bethlehem und das Licht, das Er schenkt. Diese Freude müssen wir doch teilen, weitergeben und weitersagen. „Frohe Weihnachten“ im Familien- und Freundeskreis, den Leuten an der Kasse im Supermarkt, beim Spaziergang und überall. Da kann es wirklich geschehen, dass dieser Wunsch ein Leuchten in die Augen zaubert und ein Lächeln ins Gesicht. 

Liebe Schwestern und Brüder,

Frohe und gesegnete Weihnachten,

wünschen Ihnen und allen, die zu Ihnen gehören,

von ganzem Herzen, schriftlich auf diesem Weg,

und coronabedingt sichtbar auf Distanz

in den Weihnachtsgottesdiensten,

Ihr Pastor Ludwig Krag

Nachdenkliches zur Diskussion:

„Die Kirche ist an einem toten Punkt“,

so schrieb Kardinal Reinhard Marx in seinem Brief, mit dem er Papst Franziskus im Juni seinen Rücktritt als Erzbischof von München und Freising angeboten hat. Mich hat dieses Rücktrittsangebot überrascht und auch geschockt. Gut, dass Papst Franziskus dem Angebot von Kardinal Marx nicht entsprochen hat.

Kardinal Marx hat ganz sicher gerungen um diesen Schritt und hat ihn geistlich und im Gebet erwogen. Das wird im Schreiben deutlich, das gleichzeitig die Wahrnehmung und den klaren Blick des Kardinals auf die Kirche zeigt.

„Die Kirche ist an einem toten Punkt“, das klingt zunächst sehr final, sehr endlich. Gleichzeitig drückt Kardinal Marx seine österliche Hoffnung, seinen Glauben daran aus, dass aus dem „toten Punkt“ neues werden kann, Auferstehung sozusagen.

„Die Kirche ist an einem toten Punkt“, eine Wahrnehmung, die ganz viele von und in der Kirche haben. Mich beschäftigt diese Aussage im Blick auf die Kirche insgesamt, aber auch im Blick auf unsere Pfarreien, die konkret Kirche vor Ort sind. Ich kann und will diese Aussage nicht als Schlussaussage und -feststellung lesen, vielmehr als ernüchternde Feststellung mit dem Potential zum Neubeginn. Ernüchternd ist ja schon länger zu sehen, dass wir als Kirche nicht auf Expansionskurs sind, dass die Kirchen leer geworden sind, auch schon vor Corona. Wir sind in der „Zeit der leeren Kirchen“, um ein lesenswertes Buch des tschechischen Priesters Tomáš Halík zu zitieren, mit dem Untertitel: „Von der Krise zur Vertiefung des Glaubens“.

Die Feststellung des „toten Punktes“ ernüchtert. Sie muss und darf nicht erstarren lassen, sondern stattdessen wachmachendes Erschrecken und dann Bewegung auslösen. Vor Ort das zu tun, was getan werden kann, vor Ort von „der Krise zur Vertiefung des Glaubens“ zu kommen und zur Auferstehung. „Über die Auferstehung können wir mit Sicherheit nur das sagen, was sie nicht ist. Die Auferstehung Christi ist keine Wiederbelebung; nicht die Belebung einer Leiche, ihre Rückkehr in diese Welt, ein gewisses effektvolles österliches Happy End. Die Auferstehung ist keine Rückkehr zu etwas, das war, sondern sie ist eine radikale Verwandlung.“ So schreibt Tomáš Halík. Und weiter mit Blick auf die Kirche: „Ich bin davon überzeugt, dass nur eine Kirche, die stirbt und von den Toten aufersteht, tatsächlich eine christliche Kirche ist.“… „Viele lokale Kirchen, die einmal sehr lebendig waren, sind untergegangen. Viele Gestalten der Kirche sterben im Verlauf der Geschichte.

Ich bin davon überzeugt, dass wir etwas Ähnliches auch heute erleben. Ich kann mich von dem Gedanken nicht befreien, dass die leeren und geschlossenen Kirchen (an diesem Osterfest) ein prophetisches Warnzeichen darstellen: So könnte es bald mit der Kirche enden, falls sie nicht eine tiefe Verwandlung, einen Tod und eine Auferstehung durchläuft, falls sie nicht den Mut haben wird, viele Dinge sterben zu lassen, damit das Neue, Erneuerte zum Leben auferstehen kann.“ Die Bemühungen der Kirche (und vieler Bistümer), den schon lange anhaltenden Prozess des Wenigerwerdens der Gläubigen abzubremsen, durch Zusammenlegen von Pfarrgemeinden, Import von Priestern aus dem Ausland, etc., vergleicht Tomáš Halík mit dem „Hin- und Herschieben der Liegestühle auf der Titanic“. „Wenn ich die gegenwärtige Gestalt der Kirche mit einem sinkenden Schiff verglichen habe, dann ist es notwendig zu sagen, dass dieses Schiff trotz allem weiterhin riesige Schätze mit sich führt, die gerettet und umgeladen werden müssen – nicht in eine andere Kirche, sondern in eine andere Gestalt der Kirche.“ (Tomáš Halík: Die Zeit der leeren Kirchen. Von der Krise zur Vertiefung des Glaubens. Herder-Verlag Freiburg/Breisgau 2021, S.96-99)

„Die Kirche ist an einem toten Punkt“, festgefahren auch in Diskussion und Streit um die sogenannten „heißen Eisen“ Aufhebung des Zölibats, Priesterweihe für Frauen, usw. Einer Vertiefung des Glaubens wird das m. E. nicht dienen und wird diese Vertiefung auch nicht bewirken. Es werden Erwartungen geweckt, die eher Enttäuschungen bringen werden.

„Die Kirche ist an einem toten Punkt.“ Was machen wir mit dieser Feststellung vor Ort, da wo wir leben und Kirche sind, hier, im Jetzt und heute? Wie kommen wir von der Krise zur Vertiefung des Glaubens? Und dann von dort aus zu Auferstehung und Leben? Gibt es Formate und Ideen, die das unterstützen könnten, und Menschen, die das gemeinsam entwickeln wollen?

Erneuerung von Strukturen wird gleichermaßen notwendig und erforderlich sein im Zuge der Erneuerung der Kirche, aber „ihre Priorität muss die Erneuerung des Glaubens sein und eine Erneuerung des Begreifens, Durchdenkens und der Ausdrucksformen des Glaubens beinhalten – der Ausdrucksform der Predigt, der Theologie, der Spiritualität, der Kunst und der gesellschaftlichen Praxis der Gläubigen.“

So Tomáš Halík am angegebenen Ort. Seine Gedanken, die ich uneingeschränkt teile, gebe ich Ihnen an die Hand zum Weiterdenken und Diskutieren, auch im Hinblick auf die anstehenden Gremienwahlen in unseren Gemeinden.

      Ihr Pastor Ludwig Krag